10.000 problemlose Kilometer mit kleinen Ärgernissen

Seit nunmehr sieben Monaten steht das Elektro-Pony in unserem Mustang-Stall und wird von allen gerne gefahren. Letztes Wochenende haben wir die 10.000 km-Grenze geknackt. Das schreit geradezu nach einem kurzen Fazit. Warum der Mach-E fromm wie ein Lamm ist, was aber dennoch ab und zu etwas nervt, lest ihr hier!

Fahrwerk und Fahrspaß


Das anfangs von mir bemängelte straffe Fahrwerk hat sich bereits bis zu den Ford-Entwicklern herumgesprochen. Die gelobten Besserung mit einem eigenen Software-Update. Wann genau das in Europa kommen wird, steht in den Sternen. Bei unserem Mach-E haben wir indessen folgendes Phänomen festgestellt: entweder gab es bereits ein kleineres Update und wir haben es nicht mitbekommen, oder man gewöhnt sich tatsächlich sehr schnell an das gelegentliche Holpern. Jedenfalls stört es mich in keinster Weise mehr. Mehr noch: mir fällt auf, dass unsere Straße auf den Berg mit den beiden anderen Autos genauso holprig ist wie mit dem Mach-E. Ich kann es nicht so richtig erklären, aber vielleicht fällt einem anfangs bei ungewohnter Sitzposition das straffe Fahrwerk mehr auf als mit einem Auto, das man bereits seit Jahren fährt.


Dem Fahrspaß tut es jedenfalls keinen Abbruch. Ob gechillt in der Stadt herumcruisen oder auf der Autobahn mal etwas schneller in die Kurve segeln - der Mach-E macht alles mit, ohne mit der Scheibenwischer zu zucken. Das hat sich wohl auch schon herumgesprochen, die Mach-E-Dichte in Graz hat in den letzten Monaten enorm zugenommen, man kommt mit dem Winken kaum nach! Auch einige GTs fahren mittlerweile bei uns.


Software Updates


Während im Amerika schon das Update 2.8.2 durch ist, das unter anderem das automatisierte Fahren "Blue Cruise" ermöglicht, tümpeln wir in Europa immer noch bei 2.7.1 herum. Die Infos, was die einzelnen Updates bringen, sind zudem äußerst dürftig. Es ist lediglich von "kontinuierlichen Updates" die Rede, damit man immer "die bestmögliche Version Ihres Mustang Mach-E fahren kann". Amerikaner hingegen freuen sich über die Blue Cruise-Funktion, eine höhere Anhängerlast (1.000 kg statt bisher 750 kg), deutlich schnellere Ladezeiten und ein überarbeitetes Display mit Spielen. Zudem über die oben bereits erwähnte bessere Fahrwerksabstimmung. Irgendwie lästig, dass man in Europa auf all die tollen Neuerungen so lange warten muss....


Verbrauch


Nach den ersten 3.000 Winter-Kilometern lag der Durchschnittsverbrauch noch bei 28 kWh/100 km (siehe auch Mach-E: Fahrspaß pur mit kleinen Wermutstropfen). Nach nunmehr sieben Winter-, Frühlings- und Sommermonaten ist er auf 20 kWh/100 km gesunken. Würde ich mehr im "Zahm"-Modus und weniger auf Autobahnen fahren, wäre der Normverbrauch von 17 kWh/100 km locker drinnen. Da ich den Großteil des Stromes aber gratis über die eigene PV-Anlage lade, gönne ich mir ab und an einen etwas schnelleren - und damit verbrauchsintensiveren - Ritt.


Auffallend ist zudem, dass eine voll aufgedrehte Klimaanlage deutlich weniger Reichweite kostet als eine moderat laufende Heizung. Ich fahre sehr häufig die gleiche Strecke Graz-Klagenfurt. Benötigte die Heizung im Februar da noch 16 % der Energie, verbrauchte die Klimaanlage zuletzt bei 32 °C Außentemperatur nur 3 %. An der Heizleistung lässt sich also viel Energie sparen, im Sommer muss man aber nicht extra schwitzen.


Sicherheitssysteme


Sicherheit ist wichtig, keine Frage! Aber beim Mach-E merkt man leider, dass das Auto in den USA entwickelt wurde. Sitzt man als Fahrer:in im Auto und die Zündung ist an, ist es quasi nicht möglich, eine Tür oder die Heckklappe zu öffnen. Die Türen müssen extra entriegelt, für das Öffnen der Heckklappe muss die Zündung ausgestellt werden. Bei jeder Fahrertüröffnung schaltet sich die Alarmanlage ein. Amerikanische Paranoia lässt grüßen.


Was in den USA zur Vermeidung von Car-Jacking oder Ampel-Überfällen wahrscheinlich sinnvoll ist, ist bei uns - Gott sei Dank - einfach nur lästig. Folgendes Szenario: ich sitze im Auto und hole meinen Sohn ab. Der will seinen Rucksack in den Kofferraum legen. Geht nicht, solange die Zündung an ist. Ich schalte also die Zündung aus, der Fahrersitz fährt zurück, ich öffne die Heckklappe mit dem Schlüssel, schalte die Zündung wieder ein, der Fahrersitz fährt wieder in die eingestellte Position, ich muss noch die Beifahrertür entriegeln, erst dann kann mein Sohn einsteigen. Noch Fragen?


Pannen


Wer sich so wie ich in amerikanischen und deutschen Mach-E-Foren tummelt, dem könnte beinahe Angst und Bange werden. Zahllose Bilder und Videos von Fehlermeldungen aller Art bis hin zum absoluten Systemausfall, nervtötenden Piepgeräuschen und ähnlichem Auto-Amok vermitteln den Eindruck, als müsste man jeden Tag dankbar sein, das Auto wieder heil in die Garage gebracht zu haben. Ich hoffe wohl, dass es sich dabei nur um Einzelfälle handelt, schließlich wurde das Auto bisher schon mehrere zehntausend Mal auf der ganzen Welt verkauft.


Unser Mach-E blieb glücklicherweise bisher von all diesen Schreckgespenstern verschont. Lediglich einmal war plötzlich alles schwarz, das Auto konnte aber problemlos wieder "gestartet" werden. Keinerlei Probleme mit Batterie, Antriebsstrang oder Ladeeinheit. Auch eine Veränderung der Ladeleistung zur bestmöglichen Ausnutzung des Sonnenstroms wurde problemlos "hingenommen".


Rückrufe


Eine eigene Geschichte. An sich nichts Außergewöhnliches bei völlig neuen Automodellen, aber dennoch etwas nervig. Beim Mach-E stehen wir momentan bei Nummer 4. Nummer 1 war die Abdichtung des Panoramadachs (nur beim großen Technologiepaket), das sich angeblich in Amerika einmal gelöst hatte und davongeflogen war. Check. Nummer 2 hätte man eigentlich gleich mitmachen können: neue Windschutzscheibe wegen fehlerhafter Verklebung. Check. Nummer 3 steht momentan auf dem Plan: fehlerhafter zweiter Funkschlüssel, der bestellt und ausgetauscht werden muss. Noch nicht endgültig gecheckt.


Nummer 4 ist aber mit Sicherheit der Folgenschwerste: aufgrund von eventuell zu gering dimensionierten Hauptkontakten der Batterie könnten diese bei Ampelstarts und beim Schnellladen überhitzen. Dann drosselt das Auto augenblicklich die Leistung oder lässt sich nicht mehr in Gang setzen, bis die Hauptkontakte abgekühlt sind. Bisher hatte ich keine Probleme beim Gasgeben oder Schnellladen. Es ist auch noch relativ unklar, welche Produktionsdaten betroffen sind. Manche sagen, alle bisherigen, andere sagen, nur gewisse Monate. Rückrufnachricht ist noch keine gekommen, keiner weiß so richtig Bescheid. Aus Amerika hört man, dass zur Behebung nicht die Hauptkontakte ersetzt werden, sondern ein Leistungsmanagement-Softwareupdate kommt. Ich warte mal ab...


Hier gehts zu weiteren News für elektrische Mustangs!









328 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen